Es war mein erster Gehaltsscheck, den ich in Dänemark erhielt. Ich war äußerst überrascht, als der Betrag auf meinem Bankkonto deutlich niedriger ausfiel als die Summe in meinem Arbeitsvertrag. So lernte ich, dass 38% direkt als Steuern abgezogen wurden. Mehr als ein Drittel meines Gehalts war … einfach weg?
„Wut“ beschreibt wohl am besten meine Gefühle in den darauffolgenden Tagen, als ich mich bei meinem dänischen Ehemann ausließ und versuchte zu verstehen, warum Dänemark im Vergleich zu meinem Heimatland Kanada so hohe Steuern erhebt. Dabei sei angemerkt, dass 38 % noch eher am unteren Ende liegen – der Spitzensteuersatz beträgt über 50%.
Nach Jahren und hitzigen Diskussionen habe ich mich damit abgefunden, dass das Gehalt, das mir angeboten wird, weit entfernt von dem Betrag ist, der tatsächlich jeden Monat auf meinem Konto landet. Was hat sich also geändert? Vor allem habe ich verstanden, dass „Steuern“ eigentlich keine bloße Belastung sind – sie haben einen konkreten Nutzen.
Also: Was bekommt man für seine Steuern? Offenbar eine ganze Menge.
Mit Steuern kann man sich einiges leisten
Beginnen wir mit dem Gesundheitssystem. Hier kann ich einen Arzt anrufen und oft innerhalb einer Stunde einen Termin bekommen. In Kanada ist das undenkbar, wo die Wartezeiten zwischen acht Stunden und bis zu zwei Wochen liegen können. Fairerweise muss man sagen: Auch in Dänemark gibt es Wartelisten für Spezialisten. Doch für die Behandlung leichterer Erkrankungen war es für mich eine echte Offenbarung.
Dann das Bildungswesen: Dänen erhalten ein etwa fünfjähriges Studium vollständig staatlich finanziert – zusätzlich zu einer finanziellen Unterstützung für den Lebensunterhalt, bekannt als SU. Auch EU-Bürger haben Zugang dazu, sofern sie neben dem Studium einige Stunden arbeiten.
Und die Kinderbetreuung: Eltern zahlen monatlich oft nur bis zu einem Viertel der tatsächlichen Kosten aus eigener Tasche; die Kommune übernimmt den Rest. Familien mit geringerem Einkommen zahlen noch weniger oder gar nichts. Diese Unterstützung ermöglicht es beiden Elternteilen, berufstätig zu sein.
Auch wenn es vielleicht zu weit geht zu sagen, dass Dänen Steuern lieben – schließlich liebt niemand Rechnungen –, glaube ich, dass die meisten sehr gut verstehen, wofür ihre Steuern verwendet werden. Sie betrachten den etwas höheren Steuersatz nicht als verlorenes Geld, sondern als Beitrag zu einer Gesellschaft, die sich sicher anfühlt und reibungslos funktioniert.
Lohnt es sich?
Nach neun Jahren: Ich finde schon!